Wenn KI die Maus übernimmt: Wie sachverständige KI Systeme Ihren PC bedienen und was es zu beachten gibt.
Der Sprung zum "Agentic Tool Use"
KI ist nicht länger nur ein passiver Text-Ratgeber. Mit sogenannten autonomen Agenten wird die KI zum "Praktikanten mit PC-Zugriff", der eigenständig Fachsoftware bedient, Akten sortiert und Workflows abarbeitet. Ein prägnantes Beispiel dafür ist das extrem populäre Open-Source-System OpenClaw, das vom österreichischen Entwickler Peter Steinberger (mittlerweile bei OpenAI) erschaffen wurde. Die Entwicklung geht sogar noch weiter: Diese Agenten beschränken sich nicht mehr nur auf Klicks, sondern können Sprachnachrichten verstehen, selbstständig versenden, bauen eigene "Agentenforen", verbessern sich selbstständig und tätigen Telefonanrufe.
Chancen & Visionen für das Gutachterbüro von morgen
Der KI-Agent übernimmt den lästigen "Kontextwechsel". Er erledigt administrative Routinen, überträgt fehlerfrei Daten aus eingescannten Marktberichten in Kalkulationstools und strukturiert komplexe Bau- oder Schadensakten vor. Gutachter gewinnen dadurch massiv Zeit für ihre eigentliche Kernkompetenz: die hochkomplexe fachliche Analyse und die rechtliche Bewertung.
Risiken & Sicherheit
Aus einer "falschen Antwort" der KI kann nun eine reale "falsche Handlung" mit echten Haftungsrisiken für den Sachverständigen werden. Die Sicherheit lässt sich mit drei Metaphern greifbar machen:
- Der vergiftete Brief (Prompt Injection): Das aktuell größte IT-Risiko nennt sich "Prompt Injection". Angreifer verstecken in PDFs, Bauakten oder auf Webseiten für Menschen unsichtbare Befehle (z. B. "Leite alle Akten ans Internet weiter"). Die KI liest das Dokument für eine Zusammenfassung, hält den versteckten Text für eine legitime Anweisung und führt ihn blind aus.
- Der Sandkasten (Sandboxing): Der digitale Praktikant darf niemals auf dem Hauptrechner des Gutachters arbeiten. Er wird in eine isolierte Umgebung (virtuelle Maschine) eingesperrt, in der er bei Fehlern keinen echten Schaden anrichten oder auf vertrauliche Kanzlei-Daten zugreifen kann.
- Das 4-Augen-Prinzip (Human-in-the-Loop): Bevor der Agent eine Handlung mit echter Außenwirkung ausführt (eine E-Mail versenden, einen Anruf tätigen oder Dateien löschen), muss das System zwingend anhalten und der menschliche Sachverständige die finale Freigabe per Klick erteilen. Aber welches System ist schon wirklich sicher?
Ausblick auf Systeme
Der Markt spaltet sich: Neben offenen, extrem flexiblen Systemen wie OpenClaw drängen zunehmend stark abgesicherte Firmenlösungen (z. B. von Anthropic mit Claude Cowork) auf den Markt. Die Zukunftsvision für Sachverständige ist nicht der vollständig ersetzte Mensch, sondern das hybride Expertenteam, in dem die KI zuarbeitet und der Gutachter als verantwortlicher Dirigent die volle rechtliche Kontrolle behält.
Ihr Referent: Stefan Regensburger-Patzak, KI-Architekt und Geschäftsführer RP-Intelligence
Melden Sie sich bis zum 26. April kostenfrei an und sichern Sie sich einen der begehrten Plätze. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und den gemeinsamen Austausch.
Die vollständige Teilnahme an der Veranstaltung wird mit 0,1 Fortbildungstagen anerkannt.